Tim Holthaus/ Januar 6, 2019/ Reisezeiten ÖV/ 0 comments

Modifikationen von Fahrplänen sind aufgrund der Abhängigkeit aller Linien zueinander komplex. Zudem schreibt das Planungsrecht vor, dass auf Basis des IST-Falls der Plan-Fall ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweisen muss. Resultat dieser Bedingung ist häufig die Kürzung vorhandener Linien bzw. die Reduktion der Fahrten dieser.

So ist es auch bei der geplanten Umsetzung der Seilbahn in Wuppertal. Durch die geplanten Kürzungen im Busfahrplan werden Kosten zu Lasten der ÖPNV-Qualität eingespart werden. Vielmehr sollte bei allen ÖPNV-Projekten jedoch die Erhöhung der Qualität angestrebt werden, weil diese sich positiv auf den Kostendeckungsgrad auswirkt, dem eigentlichen Ziel.

Die für den Fahrgast wichtigsten Kriterien der ÖPNV-Qualität sind die Reisezeiten und die Anzahl der Umstiege sowie die damit verbundenen Wartezeiten und Zuverlässigkeiten des Anschlusses. Damit diese Kennzahlen bewertet werden können, muss eine fahrplanfeine Umlegung aller Relationen (Wohnorte – Aktivitätenorte) erfolgen. Im Ergebnis liegen alle möglichen Routen der Relationen inkl. der Reisezeiten, Anzahl Umstiege und der genutzten Linien für einen bestimmten Zeitraum vor. Eine Gewichtung der Relationen ist auf Basis von Floating Phone Data möglich, wenngleich diese Daten auch teuer sind.

Die folgende Untersuchung für die Seilbahn in Wuppertal stützt sich auf dem realen Fahrplan des VRR (IST-Fall). Um die alleinige Wirkung der Seilbahn identifizieren zu können wurde diese dem Fahrplandatensatz hinzugefügt, wobei die hier dargestellten Fahrzeiten der Seilbahn konservativ auf Basis der Vorgutachten geschätzt wurden (4 Minuten Fahrzeit für die Strecke Hauptbahnhof-Mensa sowie 6 Minuten für Mensa-Schulzentrum Süd, Takt 30 Sekunden). Die Fußwege werden mit durchschnittlichen Gehgeschwindigkeiten gewichtet. Untersucht wird zunächst die Relationen von allen 100m x 100m Zensusraster (Wohnorte) zum Haupteingang City-Arkaden, als Zentraler Ort innerhalb der Stadt, mit geplanter Abfahrt an den Wohnorten zwischen 07:35 Uhr und 08:05 Uhr am 14.11.2018 (Mittwoch). So wird sichergestellt, dass der reguläre Fahrplan in der Verkehrshauptzeit gilt.

Die minimale, durchschnittliche und maximale Fahrzeit wird über alle für die Relationen möglichen Routen im o.g. Zeitfenster ermittelt. Es ist erkennbar, dass die minimalen Fahrzeiten (min) kaum abweichen, was auf die Linien CE 64 und CE 65 zurückzuführen ist. Werden diese direkten Buslinien vom Fahrgast verpasst, führt die geringe Taktung zu langen Wartezeiten. Die Seilbahn ist deswegen bei der Betrachtung der durchschnittlichen und maximalen Fahrzeit wesentlich besser

Fahrzeiten (min, avg, max) mit und ohne Seilbahn 14.11.2018, (Fahrplandaten des VRR)

Es fällt jedoch auf, dass sich auch im bestehenden Fahrplan die positiven Effekte der Seilbahn mehrheitlich auf die Bereiche in unmittelbarer Nähe zur Seilbahnstation zeigen. Dies deutet auf eine schlechte Anbindung der Bereiche zwischen den Seilbahnstation hin, die in der geplanten Realisierung noch weiter ausgedünnt werden soll (s.o.). Es sollte deswegen Seitens der WSW geprüft werden, ob eine Buslinie die auf dem Hang (zwischen Freudenberg und Friedrichsberg/Wolfshahn) eine Rundtour (ggf. in Form einer 8), die sich mit den Stationen der Seilbahn kreuzt und einen geringen Takt aufweist, sinnvoll sein kann und somit der geplanten Reduktion der Busse entgegenwirkt. Denn: Auffällig ist, dass die Fahrgasteinstiegszahlen abseits der durch den ÖPNV gut bedienten Achsen (im Bild an schlechten Reisezeiten zu erkennen) wesentlich geringer sind, was auch auf geringe Taktzeiten zurückzuführen ist.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Seilbahn ein großes Potenzial zur Reduktion der durchschnittlichen Fahrzeiten aufweist. Trotzdem steigt auf einigen Relationen die Anzahl der Umstiege an, weshalb die Integration der Seilbahn in einen darauf abgestimmten Busfahrplan als größte Herausforderung zu nennen ist. Die Taktung der Busse darf nicht so groß sein, dass die Reisezeitvorteile der Seilbahn beim Warten auf den Anschlussbus verpuffen.

Ein Dank für die Unterstützung geht an André Thiemermann. Bei Fragen und Anmerkungen nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion oder das Kontaktformular.

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